Die Beichte

Die Beichte im Auftrag Jesu Christi

Die evangelische Beichte

In der reformierten Kirche wird die Beichte wenig oder gar nicht mehr praktiziert. Doch Sünde kann uns krank machen (Jakobus Kapitel 5, Vers 14). Wir möchten die Last der Sünde nicht. Und doch erwischt sie uns immer wieder. Eigenverschuldet oder nicht. Wir müssen diese Last los werden. Das Blut Jesu kann uns reinigen und ist auch für dich genug. Wenn du innere Freiheit brauchst oder krank bist, solltest du weiterlesen.

Autor

Ordensbruder Markus Hauser des Evangelischen Ordens Sola Gratia Baden (gratia.ch), Erwachsenenbildner und reformierter Seelsorger LOS Stufe 3

Mir scheint, unsere frommen Gemeinschaften erlauben es nicht, Sünder zu sein. Jeder hat aber Sünden. Die Folge davon ist, dass jeder mit seiner Sünde allein bleibt und diese vor anderen versteckt. Vielleicht sogar auch vor sich selbst.

Paulus schreibt uns: Denn es ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes, so dass sie gerechtfertigt werden ohne Verdienst, durch seine Gnade, mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist. Römer Kapitel 3, Vers 23

Du kannst auch nichts leisten, um Vergebung zu erhalten. Es geht nur durch Gnade.

Sündenbekenntnis gab es schon im Alten Testament: Wer seine Missetat verheimlicht, dem wird es nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen. Sprüche Kapitel 28, Vers 13

Und im neuen Testament: So bekennet denn einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist. Jakobus Kapitel 5, Vers 16

Jesus selbst sagt: Welchen ihr die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten. Johannes Kapitel 20, Vers 23

Wir können also dem Nächsten die Vergebung seiner Sünden zusprechen.

Wem sollst Du denn beichten? Eigentlich wählst Du einen Bruder oder eine Schwester dazu aus. Gehe aber als Mann mit intimen Sünden nicht zu einer Frau und bekenne einen Ehebruch nicht Deiner Frau. Sonst müsste Deine Frau die Last tragen. Das tue ihr bitte nicht an. Bekenne es einem Mann und mache es nie wieder.

Suche eine reifere Person, die fest im Glauben steht und den Zuspruch der Vergebung kennt. Im besten Fall Deiner Pfarrperson, Pastor, Diakon, Seelsorger, Jugendarbeiter, Katechet, Hauskreisleiter etc. Auch wir im Orden bieten die Beichte an.

Die Beichte hilft, um nicht krank zu werden und bringt Verborgenes ans Licht Gottes. Was aufgedeckt ist, verliert seine Macht über Dich. Es befreit wirklich wunderbar.

Bei uns ist das Beichtgeheimnis absolut. Das sehen heute nicht alle gleich. Hier solltest Du dich erkundigen, wie es dein Beichtvater hält.

Es gibt in der Schweiz auch eine Gesetzliche Schweigepflicht. Diese lautet:

StGB Art. 321 Verletzung des Berufsgeheimnisses

1. Geistliche, Rechtsanwälte, Verteidiger, Notare, Patentanwälte, nach Obligationenrecht zur Verschwiegenheit verpflichtete Revisoren, Ärzte, Zahnärzte, Chiropraktoren, Apotheker, Hebammen, Psychologen sowie ihre Hilfspersonen, die ein Geheimnis offenbaren, das ihnen infolge ihres Berufes anvertraut worden ist oder das sie in dessen Ausübung wahrgenommen haben, werden, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.

Ebenso werden Studierende bestraft, die ein Geheimnis offenbaren, das sie bei ihrem Studium wahrnehmen.

Die Verletzung des Berufsgeheimnisses ist auch nach Beendigung der Berufsausübung oder der Studien strafbar.

2. Der Täter ist nicht strafbar, wenn er das Geheimnis auf Grund einer Einwilligung des Berechtigten oder einer auf Gesuch des Täters erteilten schriftlichen Bewilligung der vorgesetzten Behörde oder Aufsichtsbehörde offenbart hat.

3. Vorbehalten bleiben die eidgenössischen und kantonalen Bestimmungen über die Melde- und Mitwirkungsrechte, über die Zeugnispflicht und über die Auskunftspflicht gegenüber einer Behörde.

Die Beichte wird verschieden verstanden und kann in verschiedenen Formen abgelegt werden.

Für den Reformator Martin Luther und für Dietrich Bonhoeffer ist die Beichte unverzichtbar. Die Evangelisch-Lutherischen Bekenntnisschriften sprechen sich für die Beichte aus. Neben Taufe und Abendmahl wird die Beichte sogar als drittes Sakrament benannt. Die reformierte Kirche Schweiz hingegen lehnt die Einzelbeichte als normale Praktik weitgehend ab. Für Ulrich Zwingli, Heinrich Bullinger und Johannes Calvin war die Beichte sogar nicht-biblische Praxis.

Für mich stellt die Beichte die Bemühung um die Wiederherstellung dar. Die Wiederherstellung eines eigenverschuldeten Vergehens und gestörten Verhältnisses zwischen Gott und dem beichtenden Menschen.

Der Beichtende möchte das gerne ändern und ist auch bereit, seine bisherige Lebensführung zu ändern. Es kommt nicht darauf an, ob er die Kraft dazu hat, alles zu ändern. Die Bereitschaft dazu genügt fürs erste.

Luther verneint die Möglichkeit einer Genugtuung seitens des beichtenden Menschen durch Leistung oder Entgelt und verweist auf den „stellvertretenden Tod Jesu“, mit dem er die Rechtfertigung allein aus Gnade „sola gratia“ lehrt.


Ablauf einer Beichte beim Evangelischen Orden Sola Gratia:

Schritt 1

Der Beichtende bekennt alle Sünden, die ihm bewusst sind, von denen er weiss und/oder die er im Herzen so empfindet. Der Ernsthaftigkeit Willen hilft es, vor der Beichte die 10 Gebote zu lesen und sich daran zu prüfen, ob noch etwas bekannt werden müsste.

Schritt 2

Der Beichtvater hört sich alles an und stellt eventuell Fragen dazu. Danach fragt er: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“. Der Beichtende antwortet, was er möchte. Vermutlich möchte er freigesprochen werden - "Vergebung empfangen".

Schritt 3

Der Beichtvater entscheidet, ob er dem Beichtenden an Christi Stelle seine Sünden vergeben kann. Es gibt Sünden, die nicht vergeben werden können. Dann spricht der Beichtvater:

„Ich spreche dich los von deinen Sünden im Namen Jesus Christus von Nazareth, der dich am Kreuz mitgetragen und für dich mit seinem Blut bezahlt hat und in der Autorität, die er mir in seinem Wort gegeben hat“. Amen

und: "Deine Sünden sind dir vergeben, Gehe in Frieden!"

Ich hoffe sehr, der eine oder andere hat ein Verlangen bekommen, zu beichten. Das würde mich sehr freuen. Gott segne Euch.

Br. Markus

Die 10 Gebote

1. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

2. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht.

3. Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen.

4. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.

5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.

6. Du sollst nicht töten.

7. Du sollst nicht ehebrechen.

8. Du sollst nicht stehlen.

9. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinem Nächsten.

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.